Folge 7: Michaela Ernst - Warum Frauen über 50 die perfekten Gründerinnen sind
Shownotes
Michaela Ernst wusste schon mit 12, dass sie Journalistin werden möchte und arbeitete jahrelang für Medien wie Kurier, profil, Financial Times Deutschland, trend, falstaff, Wienerin oder Diva. Ihre Karriere nahm dabei immer wieder Umwege. Ihre erste Chefredaktion mit 27 wurde erstmal nichts, denn sie war schwanger – und damals war es undenkbar, dass eine junge, schwangere Frau so eine Position antreten kann. Also wurde stattdessen erstmal ein Mann genommen. Später folgten allerdings noch weitere Chefredaktionen, es blieb also nicht, wie befürchtet, die einzige Option einer Führungsposition.
Doch nach einigen schweren Jahren im Journalismus beschloss sie mit 51, sich beruflich neu aufzustellen – und machte einen MBA in Human Resources. Mit 56, zu einem Zeitpunkt, als sie nicht mehr mit spannenden Jobangeboten in den Medien rechnete, bekam sie überraschend das Angebot, Sheconomy, ein Wirtschaftsmagazin für Frauen, mitzugründen.
Ihre Geschichte zeigt, dass berufliche Veränderung in der Mitte des Lebens nicht zu spät kommt und eine berufliche Neuorientierung neue Chancen eröffnen kann.
Über ihr Alter hat Michaela Ernst bei ihren beruflichen Stationen wenig nachgedacht. Schließlich kommt sie aus einer Familie der „Longevity“-Unternehmer. Ihr Vater, ihre Mutter und auch die Großeltern arbeiteten alle bis ins hohe Alter noch weiter in ihren Berufen. Zu alt für eine berufliche Veränderung zu sein – das kannte sie von zuhause nicht.
Von ihrem Vater, einem Textilunternehmer, hat sie außerdem gelernt, dass Krisen immer auch eine Chance sein können. Heute, mit 63, arbeitet sie neben Sheconomy als Speakerin und Coachin im von ihr gegründeten The Female Empowerment Lab. Dort unterstützt sie andere Frauen dabei, an ihrer eigenen Stärke zu arbeiten und weniger an sich selbst zu zweifeln.
In dieser Folge sprechen wir darüber,
- warum sie heute ihre Erfolge besser wahrnehmen kann als mit 30
- warum sie schon mit 12 wusste, dass sie Journalistin werden möchte
- warum stetiges Dazulernen für sie im Leben und im Beruf wichtig ist
- warum sie sich mit 51 entschieden hat, einen MBA zu machen – und warum das so erfüllend war
- wie mit 56 das überraschende Angebot kam, ein Wirtschaftsmagazin mitzugründen
- warum eine zweite Karriere und berufliche Veränderung auch nach 50 möglich sind
- wie früher über Frauen in Wirtschaftsmagazinen berichtet wurde
- was Longevity-Unternehmer sind und was Michaela Ernst von ihrer Familie über das Älterwerden und Arbeiten gelernt hat
- wie sie von ihrem Vater, einem Krawattenmacher, unternehmerischen Optimismus lernte
- warum sie die Benachteiligung von Frauen erst im Berufsleben kennenlernte
- was Schwangerschaft und Familie für die Karriere einer Frau noch in den 1990er-Jahren bedeuteten
- warum 50+ ein gutes Alter zum Gründen ist und was für eine Gründung in der Lebensmitte spricht
- warum es gerade in Österreich so viele Gründungen gibt
- welche goldenen Regeln des Netzwerkens unter Frauen es gibt
- wer geeignet ist, selbst Gründerin zu werden
Ein Gespräch über berufliche Veränderung in der Lebensmitte, Karriere 50+, Gründen 50+, lebenslanges Lernen, zweite Karrieren, Frauen in der Wirtschaft und die Frage, warum Alter kein Grund sein muss, beruflich kürzerzutreten.
LINKS ZUR FOLGE:
- Mehr zu Michaela Ernst, ihren Workshops und dem Female Empowerment Lab gibt es hier
- Sheconomy, das Wirtschaftsmagazin für Frauen, veranstaltet regelmäßig Career Sessions zum Thema „Gründen mit 50+". Mehr Infos dazu gibt es hier.
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Transkript anzeigen
00:00:03:
00:00:20: Meine heutige Gästin kommt, wie ich aus dem Journalismus.
00:00:24: Sie ist Co-Founderin von Schikonomie, den Wirtschaftsmagazin für Frauen, dass sie mit fifty-sechs mitgegründet hat.
00:00:31: Sie isst Founder und Strategic Advisor vom Female Empowerment Lab, Kinotspeakerin und sie hat mit fünfzig neben dem Job ein Studium begonnen und dann ihren MBA gemacht.
00:00:42: Und jetzt mit dreiundsechzig überlegt sie, was sie eigentlich noch studieren könnte.
00:00:46: Herzlich willkommen, Michaela Ernst!
00:00:48: Hallo, schön dass ich da sein kann.
00:00:50: Ich freue mich sehr, dass du da bist und ich frage jede Podcast-Gestin als erstes, was ihr heute beruflich besser kann aus Mitreißig?
00:01:00: Ich kann meine eigenen Fähigkeiten besser einschätzen.
00:01:03: das konnte ich mit Dreißig nicht, obwohl ich mit dreißig eigentlich durchaus erfolgreich war.
00:01:06: aber ich habe Folge nicht wahrnehmen können Und das ging so weiter, dass ich auch zum Beispiel einen Journalistenpreis für eine Reportage bekommen habe.
00:01:15: Einen relativ renommierten Österreichischen Und das aber nicht als Erfolg verbucht habe, sondern dann gleich wieder auffallen.
00:01:21: Okay, das nächste.
00:01:23: Also ich war wahnsinnig unsicher, mich da an den Frage gestellt und haben mir dadurch auch einige Chancen verbaut.
00:01:29: Was für Schronten hast du dir zum Beispiel verbaut?
00:01:31: Dass ich einfach so nervös war bei manchen Geschichten, die ich also speziell wieder in Anfragen oder Aufträge aus Deutschland kam, dass ich so nervöst war es zu versauen, dass sich's dann irgendwie verbockt hab.
00:01:43: Diese Nervosität ist weg!
00:01:45: Die haben dann die Geschichte genommen und ist dann nicht mehr weitergegangen.
00:01:50: Ich meine jetzt, in deinem Alter ist diese Nervosität zum Beispiel weg?
00:01:54: Ja das ist weg weil ich weiß was ich kann und ich weiß wo meine Grenzen liegen und ich weiss was Guteschmalismus ist.
00:02:01: aber wenn ich das nach vier Jahrzehnten nicht wüsste dann hätte ich glaube ich etwas falsch gemacht.
00:02:09: Ich habe bei dir so viele Stationen gefunden, dass ich jetzt noch ein paar aufzähle.
00:02:13: Du warst unter anderem beim Kurier.
00:02:16: Du hast fürs Profil gearbeitet!
00:02:18: Du hast für die Financial Times in Deutschland gearbeitet.
00:02:21: Du hasst für die Instalt gearbeitet... ...für die Wienerinnen und die Diva falls darf.
00:02:27: Wann hast du gewusst das du Journalismus machen möchtest?
00:02:31: Und warum gibt es so viele unterschiedliche Dinge, die du gemacht
00:02:34: hast?!
00:02:36: mit zwölf eigentlich schon gewusst, dass ich Journalistin werden möchte.
00:02:39: Und ich habe auch damals immer wieder so Zeitungen gebastelt für Freundinnen und Freunde, wenn die Geburtstag hatten... Ah ja?
00:02:45: ...und hab ihnen dann noch aus den Zeitungen vorgelesen!
00:02:52: Ich wollte einfach etwas machen, wo man viel herumkommt – das war auch in den langen Zeiten noch möglich wie ich als junge JournalistInn gestartet bin.
00:03:04: wollte viel von der Welt sehen, das war auch ... Ich hab viel von Europa gesehen.
00:03:08: Damals war ja noch also ein Vorhang und habe immer wieder Geschichten im Osten gemacht.
00:03:14: Und ich wollt einfach etwas Abwechslungsreiches haben, wo ich auch die Möglichkeit hab, mich weiterzuentwickeln und da und dazu zu
00:03:23: lernen.".
00:03:24: Und dieser wirtschaftliche Aspekt, diese wirtschaftlichen Themen, wann ist da deine Leidenschaft hingegangen?
00:03:28: Weil du hast auch für Lifestyle-Medien gearbeitet!
00:03:30: Genau... Im Jahr, jetzt musst du mal nachdenken.
00:03:40: Zweitausend oder zweitausendsundeins füllen Trend für das Wirtschaftsmagazin Trend zu arbeiten begonnen und habe das bis ... war fünf Jahre fix dort und dann weiter als freie Fixe bis zwei tausendsechzehn.
00:03:55: Und haben mich da eigentlich sehr wohl in diesem Umfeld und in dieser Redaktion gefühlt.
00:04:05: Ja, das Gefühl auch dass ich... Dass dieser Aspekt des Zulernens extrem stark gegeben ist wenn man sich mit wirtschaftlichen Themen befasst.
00:04:16: Ist es etwas was dir wichtig ist, dass du immer im Leben dazulehren kannst?
00:04:21: Weil es gibt ja also ganz viele Leute Träume davon, dass sie mal so ihren Job aus dem FF können und dann immer sowas gleich machen.
00:04:27: Das ist gar nicht dein Ding oder?
00:04:28: Nein, das ist nicht mein Ding!
00:04:29: War das auch so ein bisschen der Grund, warum du dich entschieden hast mit einundfünftig ich studiere jetzt noch?
00:04:33: Weil es ist ja eine große Entscheidung an MBE zu machen.
00:04:38: Es gibt ... Ich kenne zwanzige Jahre die sich zwei Jahre Zeit nehmen und nur MBE machen aber nicht neben auch noch arbeiten.
00:04:46: Ja, ich war damals beim Profil und habe das Innovationsressort geleitet.
00:04:53: Ich war schon, ich muss sagen davor hatte ich schon ein paar schwierige Jahre wo ich gemerkt habe es geht einfach nicht mehr so mit dem Journalismus in dieser Form weiter wie ich jetzt keine gelernt hab wie ich eine junge Journalistin war und ich wusste nicht wie lange es gut für mich weitergehen würde.
00:05:17: Und
00:05:18: hier von der Medienkrise an sich?
00:05:20: Ja genau Und da hab ich mir gedacht, irgendwas muss ich mir ... Weil für mich war ganz klar, dass ich lange arbeiten möchte.
00:05:30: Und dann habe ich mir überlegt, okay, ich muss mir irgendwas überlegen, dass mir einen zweiten Bildungsweg oder eine neue Bildungschancen eröffnet und hab dann überlegt was kann nicht gut?
00:05:41: Ich war immer wieder in Situationen, wurde ich zu Medien gerufen, wo es darum ging, einen Relouge zu machen oder wo ein bisschen eine Unruhe war und man dann so eine Neustrukturierung reinbringen musste.
00:05:58: Und dann hat mich natürlich die Digitalisierung als Thema sehr stark beschäftigt, wie viele Journalisten natürlich.
00:06:07: durch eigentlich auf Anrat meines Bruders, der auch an der Donaoni-Creme studiert hat.
00:06:12: Da war
00:06:13: ich übrigens auch wirklich.
00:06:14: Ich hab da Journalismus studiert.
00:06:16: Hat es dir gut gefallen?
00:06:17: Mega!
00:06:17: Ich war auch sehr glücklich dort, muss ich sagen.
00:06:20: Es war eine echt tolle Zeit.
00:06:21: Das
00:06:21: war für mich herausfordernd, jeden Tag hinzupendeln von Wien nach Cremes weil ich habe das damals im Vollzeitstudium gemacht aber es war eine super Zeit.
00:06:29: Ich glaube diesen Journalistenlehrern gibt Zorro in der Form nicht mehr.
00:06:32: Das weiß ich nicht, weil ich hab deine EJA gemacht Ja, und das Thema Arbeit hat mich auch fasziniert.
00:06:38: Weil dadurch dass ich auch beim Profil in diesem Innovationsressort gearbeitet habe bzw da die Leitung hatte weil die Geschichten kamen ja nicht nur von mir sondern vom vielen Kollegen zu den unterschiedlichsten Themen.
00:06:51: auch war damals auch das Thema Digitalisierung ein großes Thema in der Arbeitswelt.
00:06:58: also wie verändert Industrie für Null war damals so ein Schlagwort?
00:07:01: Wie verändert das denn... den Arbeitsalltag von Fabrikarbeitern oder in der Produktion?
00:07:08: und wie verändert für uns kreative die Digitalisierung, die Arbeitsroutine.
00:07:14: Und all diese Komponenten haben ihm dazu geführt dass ich dann eben mich für HR entschieden habe und am Ende des Studiums genau zu dem Thema auch eine Studie gemacht hab, wie Industrie für Null den Alltag von fifty, Fabrikarbeiterinterviews in drei verschiedenen Fabriken gemacht habe und die Expertengespräche gemacht hab.
00:07:39: Und das war für mich einerseits ganz, ganz spannend weil ich selber von den Ergebnissen überrascht war, weil die positiver ausgefallen sind als ich es gedacht hätte.
00:07:51: Und es war gleichzeitig auch so eine schöne Reise zurück in die Vergangenheit, weil wie ich als Journalistin zu arbeiten begonnen ist man ja immer rausgegangen.
00:08:00: Es hat ja kein Internet gegeben, es hat keine...
00:08:03: Also verstellbar für mich?
00:08:04: Ja!
00:08:04: Das war wie ich bei der Kronenzeitung, da habe ich in three-und achtzig begonnen.
00:08:08: Da haben wir mit einer Schreibmaschine unsere Artikel reingehemmert und die wurden dann durchs Haus geschickt.
00:08:16: Ich kann mir das gar nicht vorstellen Michaela also wirklich null.
00:08:19: Also auch muss ich ehrlich sagen ... weil beim Studium sie in einer Studienkollegin erzählt, die bei der Mediaprint arbeitet und die hat die ganze Zeit gedacht ich verarsche sie.
00:08:30: Und dann war ich selber so unsicher, haben wir gedacht habe ich das jetzt geträumt oder war das damals wirklich so?
00:08:35: Dann hab' ich meinen Mann angerufen, der ursprünglich auch Journalist war und da hab ich gesagt du das war doch damals so oder?
00:08:41: Hat er gesagt ja natürlich war es damals so!
00:08:43: Also das
00:08:44: komplett verdrängt diese Zeit.
00:08:45: Ja man kann sich das irgendwie selber fast gar nicht mehr vorstellen aber ich hab noch zu Hause Manuskripte eben diese, die man dann eingespannt hat mit Kohlepapier damit seinen Durchschlag gibt und wo die Zeichen anzahlen.
00:09:00: was ich vermerkt ist am Rand.
00:09:02: Und ich habe noch ein oder zwei so alte Manuskripte mir aufgehoben um daran erinnert zu werden wie sie es jedenfalls.
00:09:09: dieses Studium hat mich wieder raus zu den Menschen geführt ja weg vom Schreibtisch.
00:09:14: und das war und das Lustige Und auch das Überraschende für mich, wie ich dann mit den Fabrikarbeitern gesprochen habe.
00:09:21: Ich wollte ja eigentlich so meine Umfragen via Mail verschicken und dass die mir das damit wieder zurückschicken.
00:09:25: Und die hatten alle keine eigene Mailadresse!
00:09:28: Dann bin ich wirklich ganz traditionell.
00:09:31: von welchem Jahr sprechen wir hier?
00:09:37: Also wir sprechen aber von einer Zeit, wo es üblich war, dass man eine Mailadresse hat.
00:09:40: Ja!
00:09:40: Wir wollten
00:09:42: mir auch die Mailadresse nicht rausgeben.
00:09:43: Keine Ahnung.
00:09:44: Jedenfalls war's so... Es war also... Man müsste das jetzt zurückrechnen.
00:09:50: War mich ein Fünfzigwarter?
00:09:53: Nicht so schlimm.
00:09:53: Das müssen wir jetzt auch nicht zurückrechen.
00:09:57: Und ich bin da wirklich so mit meinen Fragebögen, die ich vorbereitet habe.
00:10:01: Die auf Papier ausgedruckt war hin und hab meine Krakseln gemacht um einen händischen Notizen dazu.
00:10:06: Das war für mich so erfüllend!
00:10:09: direkt mit den Menschen zu tun haben, ihnen auch die Möglichkeit zu haben bei ihnen nachzuhaken.
00:10:16: Nachfragen zu können sie an dem Arbeitsplatz zu besuchen direkte Emotionen zu erleben.
00:10:23: und das hat mich ein bisschen an den Journalismus erinnert wie er Gang und Gebe war wie ich als junge Journalistin begonnen
00:10:30: habe.
00:10:30: Und was hat sich seit dem MBE vereint?
00:10:33: Weil denn hast du auch gemacht um dich beruflich breiter aufzustellen?
00:10:36: Hast du dich seitdem auch anders aufgestellt, weil du arbeitest ja auch als Beraterin zum Beispiel?
00:10:40: Ja aber das mache ich erst.
00:10:42: Das ist erst mit Skikonomie gekommen.
00:10:45: Wobei mir jetzt sozusagen das Fach wissen dass ich mir damals angeeignet habe zu Gute kommt.
00:10:49: also das ist schon schließlich irgendwie ein Kreis und es war für mich überraschend Ich bin nicht strategisch vorgegangen Weil ihr auch Skikonomie überraschant war.
00:10:58: da kam der Anruf von dem Andreas Dressler das Wirtschaftsblatt mitbegründet hat, die Diva mitbegriffen hat.
00:11:06: Viele andere Publikationen, Konnessör-Serklin ist ein Reisemagazin, dass er nach wie vor macht und er hatte die Idee einen Wirtschaftsmagazin für Frauen zu machen.
00:11:15: Von ihm kam auch dieser Titel Schikronomie.
00:11:18: Und der Andi und ich hatten schon mehrmals miteinander zu tun eben in Uhrzeiten wir damals wieder Diva gegründete wurde.
00:11:26: Der hat mich gefragt hättest du nicht Lust dein Konzept für einen Wirtschaftsmagazine für Frauen zumachen?
00:11:34: Und das war für mich so toll, weil ich mir eigentlich gar nicht mehr so viele Hoffnungen gemacht habe.
00:11:39: Dass so etwas Spannendes aus dem Journalismus auf mich zukommen könnte.
00:11:44: Weil du
00:11:44: damals binst, hast du nicht damit gerechnet?
00:11:46: Oder weil der Journalismus auch schon ein bisschen in der Medienkrise war seit vielen Jahren?
00:11:50: Ja, weil es in der Krise war, weil er auch noch in der Krise war.
00:11:53: Weil ich mir dann gedacht habe, na gut, dann gehe ich halt mehr so in Richtung Corporate und weiß sich auch...
00:12:01: Solangeweilige Corporate-Texte?
00:12:03: Ja, ich habe schon spannende Corporatesachen immer gemacht muss ich sagen.
00:12:08: Also ja, ich hab das gern gemacht und mir war auch dafür Auszeichnungen bekommen.
00:12:14: also es war viel Kreativität möglich, ich hatte offenbar wirklich ein Glück gehabt und was mir angenehm war, war die Klarheit bei diesen Corporate-Aufträgen herrscht.
00:12:25: Also das ganz klar definiert wird, was ist ein Auftrag?
00:12:28: Was ist dein Spielraum?
00:12:30: Wann gibt es sozusagen Reporttermine, wann ist Abgabetermin und wann muss das erscheinen?
00:12:35: Es war alles irgendwie sehr geregelt und wenig Raum für Irritationen – und das war mir nicht unangenehm!
00:12:44: Du hast online, ich glaube es ist erst ein paar Wochen her auf LinkedIn einen sehr interessanten Post gemacht, wo du eben geschrieben hast.
00:12:51: Du hast jetzt mit sechsundfünfzig gegründet und das, dass Alter für dich überhaupt nichts Besonderes war?
00:12:56: Und dass du selber aus einer Familie von Longchevy die Unternehmern kommst.
00:13:00: Was sind Longchevey die Unternehmere?
00:13:02: Also dieser Begriff kommt ja nicht vor mir sondern... Ich habe vor kurzem also auch schon wieder halbes Jahr her beim Peter Drucker Forum die Möglichkeit gehabt Aviva Wittenberg-Cox zu Interviewen.
00:13:15: Sie ist eine Ökonomin und sie beschäftigt sich sehr stark mit dem Thema longevity in der Arbeitswelt, und sie hat so ein vier Phasenmodell ausgearbeitet wo sie davon ausgeht dass jeder Mensch hundert Jahre alt wird und hat die Arbeit also das berufliche Leben da eingeordnet.
00:13:35: und es geht bei ihr bis fünfundsebzig.
00:13:37: und dann habe ich mir gedacht schau wir haben ja irgendwie Diskussionen, ob man bis siebenundsechzig erarbeiten soll oder bis siebzig sogar.
00:13:48: Aber auf seventy-fünf, das würde sich niemand sagen zu trauen.
00:13:52: und dann ist mir aufgefallen lustig ich komme nicht aus einer Familie wo alle sehr sehr lang gearbeitet haben, wo alle allerdings selbstständig waren und es sich aussuchen konnten.
00:14:02: Was ist lange?
00:14:03: Also wie lange haben deine dein Vater, deine Mutter?
00:14:06: Naja mein Vater hat seine Firma aufgegeben, wie er in der Zeit war.
00:14:11: Er hat aber dann weiter gearbeitet bis zu seinem achtzigsten Lebensjahr als Berater.
00:14:15: Was
00:14:15: hat er gemacht?
00:14:16: Er hat Krawaten gemacht und auch Krawatendesigns entworfen.
00:14:21: Und das ist ein bisschen kompliziert bei Krawatten weil der Stoff so wahnsinnig dünn ist.
00:14:26: die Seite ist so Wahnsinnig Dünn dass man nicht jede Farbe miteinander kombinieren kann.
00:14:31: also da braucht man ein großes Weberwissen.
00:14:35: Und da wurde von Firmen immer wieder gebeten, nach Italien auch gerufen und hat sie beraten was möglich ist.
00:14:42: Hat den Vorschläge gemacht also hat das sehr gerne und sehr lange gemacht.
00:14:47: Und mein Großvater der ueinzig Jahre alt geworden is.
00:14:51: Wow!
00:14:52: Der hat... Ich hab geschrieben bis neunzig aber meine Mutter hat mich korrigiert obwohl mein Bruder und ich bis neunsig in Erinnerung haben.
00:14:59: Aber meine Mutter weiß es sicher besser Sie war ja seine Tochter.
00:15:03: Aber der hat auch bis in die zweite Hälfte seiner achziger Jahre gearbeitet und hat Vorträge gehalten an der Fahrschule, also Verunterricht konnte er dann nicht mehr geben.
00:15:14: Er war bekannt für seine sehr unterhaltsamen Vorträge, eine sehr charismatische Persönlichkeit.
00:15:20: Und ja ... Die Großmutter meines Vaters Die musste man, glaub ich, mit dem Sessel rausdragen aus dem Büro.
00:15:29: Weil die waren schon so schwerhörig ... Dass sie die Kunden oft richtig angeherrscht hat.
00:15:36: Können Sie nicht deutlicher reden?
00:15:37: Das versteht ja keiner was sie sagen!
00:15:40: Und dann hat mein Vater sie ... Ich glaube, sie war zweiundachtzig.
00:15:43: Hat mein Vater hier wirklich schonend beigebracht.
00:15:46: So geht das einfach nicht weil es kommt nicht zu gut an bei Kunden wenn sie in einem Ton behandelt werden und das musste sich dann bitter einsehen dass sie jetzt auch schon zu alt ist, um nicht mehr arbeiten zu können.
00:15:59: Und dann hatte ich noch eine Urgroßmutter die ich noch gekannt habe und die hat ja ein Papiergeschäft und die ist auch bis in ihrer zweiten also über seventy-fünf Jahre war sie schon wie sie dann aufgehört hat.
00:16:13: Das heißt du bist groß geworden mit der Vorstellung dass Alter egal ist was das berufliche betrifft?
00:16:17: Ja, aber auch das Glück dass die natürlich alle gesund waren Keiner körperlicher Gebrechen hatte und auch alle geistig total wach waren.
00:16:30: Alle immer sehr interessiert waren an der Welt, was tut sich?
00:16:34: Nachrichten schauen, Zeitungen lesen, politisch diskutieren... Also einen Lebenshunger würde ich fast sagen und da gehört Arbeit dazu, einen Lebens- und Arbeitshungern hatten
00:16:48: Die Energie, die bei dir rüberkommt mit diesen ganzen Dingen, die du auch schon gemacht hast und so.
00:16:53: Und auch dieser Spätergründung und den NBA und so würde ich fast vermuten das dir so mitgegeben wurde?
00:16:59: Du kannst als Frau alles werden!
00:17:00: Du kannst alles machen!
00:17:02: Was waren so Glaubenssätze, die man damals einer jungen Frau mit gegeben hat?
00:17:11: Na ja ganz so war es auch nicht.
00:17:13: also... Ich hatte das Glück dass ich in einer Schule war wo keinen Unterschied zwischen den Mädchen und dem Burschen gemacht wurde, wo sehr stark vermittelt wurde das Mädchen die gleichen Chancen und die gleichen Möglichkeiten haben.
00:17:30: Und wo das auch gefördert wurde, weil sie Mädchen sind zurückgestellt wurden oder eingeordnet wurden in bestimmte Richtungen oder zu bestimmten Fächern – das habe ich nicht kennengelernt.
00:17:45: Kriegen wir jetzt hier von den Siebzigerjahren?
00:17:47: Ja!
00:17:47: Von den Siebtzigerjanen Und es war eher bei mir so, dass ich aus einer sehr natürlich leistungsorientierten Familie gekommen bin.
00:17:59: Das ist natürlich auch wieder die Schattenseite.
00:18:02: Weil das da viel Druck herrscht und du was weiterbringst, was machst du gut bist in dem, was du machst, dass du selten genügen kannst... Dass du viel kritisiert wirst dass vieles, was gut ist selbstverständlich ist.
00:18:19: Aber das war nicht ... Also mein Bruder, der ist zehn Jahre jünger als ich und der hat es genauso erlebt.
00:18:24: Das hat keinen Unterschied gegeben.
00:18:27: Und ich glaube, ich wurde erst im Berufsleben dann damit konfrontiert, dass es für Frauen doch anders ausschaut als für Männer.
00:18:36: Und ganz stark wurde ich dann damit Konfrontierter, als ich Mutter wurde.
00:18:41: Ich hab ... Wie ich siebenundzwanzig war, hat man mir damals die Chefredaktion von der Wienerin angeboten.
00:18:49: Und das war damals eigentlich eines der hipsten Frauenmagazine im gesamten deutschen Sprachraum.
00:18:55: Hatte auch dieses Großformat, diese schöne...
00:18:58: Das hat eine ganz andere Gewichtung als diese Magazine heute haben?
00:19:01: Ja ja ja!
00:19:03: Also ist auch richtig aufgefallen und ich habe zugesagt war ihre Stolz natürlich, weil mit siebenundzwanzig.
00:19:11: Das war schon sehr jung.
00:19:15: und dann habe ich unmittelbar danach gemerkt dass ich schwanger bin und hab gesagt Ich bin schwanger aber ich mache das trotzdem.
00:19:23: Und dann haben die gesagt Nein Sie machen das nicht.
00:19:25: Das interessiert uns nicht.
00:19:27: Die Geschäftsfang.
00:19:28: Ja Und darunter habe ich wahnsinnig lange.
00:19:32: Du hast diesen Top nicht bekommen?
00:19:33: Der wurde mir wieder weggenommen.
00:19:35: Also ich hab ihn gar nicht angetreten, sondern die haben gesagt okay wenn du schwanger bist dann suchen wir uns jemand andern.
00:19:41: Sie haben da einen Mann genommen.
00:19:44: Einen Mann
00:19:45: fürs Frauenmagazin?
00:19:46: Ja
00:19:46: genau aber der war nur interämistisch hat er trotzdem ein bisschen eine problematische... ...eine problematischen Lifestyle gehabt, sagen wir mal.
00:19:55: so freundlich ausgedrückt und da habe ich schon gemerkt naja ein Mann kann sich relativ viel erlauben und ist immer noch besser als seine schwangere junge Frau was weiterbringen will.
00:20:06: Das war damals ungefähr den Achtigerjahr?
00:20:08: Das war Ninzeneinundachtzig und ich habe, weil das glaube ich – ich weiß es nicht ob das an mir lag oder an meiner Jugend – mir auch gedacht, okay das war's jetzt!
00:20:22: Du wirst nie wieder jemandem im Leben fragen, ob du eine Schiffredaktion machen möchtest.
00:20:27: ja, das war´s jetzt
00:20:28: once in a lifetime chance, over.
00:20:30: Ja genau!
00:20:31: Wenn du von überzeichen hattest ... Ich glaub noch
00:20:33: und man hat natürlich auch mehr Sinn fürs Drama als ich es heute hätte mit ... siebenundzwanzig ja.
00:20:41: Aber das hat mich sehr unter einem wahnsinnigen Stress gesetzt.
00:20:47: Ich hab dann totale Angst gehabt dass mich alle abschreiben, dass sich nicht mehr schreiben darf, nicht mehr reportage fahren darf, dass ich jetzt ab so quasi Kriege mal dein Kind bis in den Kindergarten und dann kannst dich ja vielleicht wieder mal melden.
00:21:02: Und das war ein wahnsinniger Stress für mich!
00:21:07: Ich war die erste in meinem Freundeskreis, die ein Kind bekommen hat... ...und habe mich zersprachelt und war dadurch auch eine sehr unruhige und nervöse Mutter.
00:21:18: also mein Sohn hatte sicher auch viele Jahre, wenn er klein war nicht so leicht mit mir gehabt.
00:21:23: Weil ich immer versucht habe alles irgendwie auf die Reihe zu kriegen aber es war alles immer in diesem Modus entweder dass sich das Gefühl hatte Ich hab meine Arbeit jetzt nicht gut genug gemacht weil ich so viel anderes auch noch zu tun habe oder ich bin so eine schlechte Mutter weil ich Soviel arbeite und Die Gesellschaft von der ich umgeben war habe ich nichts dazu getan, das irgendwie zurechtzupiegen.
00:21:48: Also es sind alle gesagt ja also na du arme und musst arbeiten und naja dein armes Kind und immer so eine gestresste Mutter und die Lehrer haben mich dann später in die Schule gerufen Ja aber ab drei müssen sie schon aufhören zu arbeiten und für ihr Kind da sein und die Aufgaben gemeinsam machen.
00:22:05: Und ähm...also ich hab gemerkt dass ich von einem Umfeld umgeben bin, dass genau das Gegenteil von unterstützend war.
00:22:14: Ich finde es interessant, dass diese nicht vorhandene Unterstützung damals auch von einem Frauenmagazin ausgegangen ist.
00:22:22: Naja das Frauenmagazzin wurde ja sozusagen von Männern geleitet.
00:22:25: also das hat mich jetzt nicht zugewohnt.
00:22:31: Es wundert einen so ein bisschen nach außen weil ja FrauenMagazine auch damals schon für die unabhängige Frau gestanden sind und nach innen hat sie ja nicht funktioniert.
00:22:42: Aber sag mal, dieser Krisenmodus.
00:22:44: Du hast mir im Vorgespräch erzählt, dass du das auch von klein auf schon so gewohnt warst in Krisen-Modus zu funktionieren bzw.
00:22:52: dein Vater war ja in der Textilbranche und das war so ständig Krise.
00:22:56: und deswegen hast du mir erzählt, daß für dich eigentlich Krise mehr Herausforderung oder Chance ist als einfach nur Krise?
00:23:04: Ja, also ständig Krisen war es ja nicht.
00:23:06: Weil es ist in den sechziger Jahren noch gut gegangen.
00:23:09: die Textilkrise hat in meiner Erinnerung so ab dem Mitte der siebziger Jahre begonnen.
00:23:15: und was ich habe das aber... Also es wurde schon thematisiert zu Hause wenn wieder ein Unternehmen im Konkurs gegangen ist oder zusperren musste die Zahlen ganz schlecht sind und ich habe aber nie das Gefühl gehabt, dass diese Krise meinen Vater bzw.
00:23:36: meine Mutter hat ja auch bei ihm mitgearbeitet, dass sie uns erreicht, weil meine Eltern haben beide wahnsinnig gern gearbeitet, die waren beide in der Textilfachschule als Jugendlicher.
00:23:45: dort haben Sie sich auch kennengelernt.
00:23:51: Dann hatten sie so diese Farbblöcke, die ich auch als Kind in der Schule hatte.
00:23:58: Wo jedes Papier eine andere Farbe hatte und wo man dann im Pastelunterricht ausschneiden durfte und irgendwelche Bilder kleben durfte mit diesen verschiedenen Papierfarben.
00:24:09: Und mein Vater und meine Mutter sind zu Hause gesessen und haben zum Beispiel so Farbkombinationen gemacht Also Farbenmuster für die Krawatten.
00:24:18: Ah, das ist irgendwie so eine tolle Arbeit die die haben.
00:24:21: Die dürfen das machen was ich eigentlich am liebsten in der Schule mache.
00:24:28: oder dann hat mein Vater war der erste der Kashmir-Krawatten rausgebracht hat.
00:24:35: also er hat dann immer sich gedacht okay gut er möchte ganz stark in diesem Qualitätssegment bleiben, indem er auch schon vorher gearbeitet hat.
00:24:45: Er hat auch nie in China Krawatten herstellen lassen und hat das immer in Österreich mit Heimarbeiterinnen eine Zeit lang auch mit Näherinnen die er bei sich in der Firma gehabt hat hergestellt, alles manuell.
00:24:59: Die Stoffe kamen immer aus Italien und Komo.
00:25:02: also es war immer Sinn für Hochwertigkeit und Qualität und quasi Qualitätssätze sich immer durch.
00:25:09: und in diesem Spektrum hat er auch gedacht und hat zum Beispiel auch geschaut ob man Kashmir so dünn weben kann, dass man daraus Krawatten machen kann.
00:25:21: Und der hat das auch eine Zeit lang gemacht.
00:25:23: Also war wahnsinnig innovativ in seinem sehr traditionellen Bereich.
00:25:27: Hast du da ein bisschen aufgenommen?
00:25:29: dieses einfach überlegen was könnte man jetzt noch machen?
00:25:31: Was Neues machen?
00:25:32: Ja
00:25:33: also nicht... Das war einfach dieser unternehmerische Optimismus.
00:25:38: wenn es etwas nicht geht dann liegt es an einem selber auch, dass man Lösungen sich einfallen lässt oder neue Wege einschlägt.
00:25:48: Oder unkonventionelle Wege einslägt und das wurde mir schon sehr stark zu Hause vorgelebt.
00:25:56: Du hast vorhin erwähnt, dass du mit Sechsundfünftysch-Economie mitgegründet hast und gar nicht mehr damit gerechnet hast, dass so eine tolle berufliche Chance noch mal kommt, sowas ein Wirtschaftsmagazin für Frauen von Null aufzubauen?
00:26:10: Warum würdest du sagen, ist das eigentlich auch ein gutes Alter um zu gründen?
00:26:22: Weil du schon gleich weißt ob du überzeugt bist von der Idee oder nicht.
00:26:27: Und ich glaube es ist einfach so diese Lebenserfahrung die dir dann sagt okay das hat wirklich gute Chancen was zu werden und du gehst auch systematischer fort.
00:26:36: Das muss ich sagen das war das erste Mal in meiner ganzen Karriere dass ich richtig systematisch vorgegangen bin, dass ich mir alle traditionellen Wirtschaftsmagazine vorab gekauft habe und analysiert hab.
00:26:51: Wie viele Frauen kommen davor?
00:26:53: Wie viel Frauen sind vorgekommen?
00:26:57: Es waren immer ein paar Köpfe –
00:26:58: aber
00:26:59: immer die gleichen!
00:27:04: Und dann auch die traditionellen Frau-Magazine mehr angeschaut haben, die ja damals schon von der Krise erfasst waren.
00:27:16: Und dann habe ich mir gedacht, okay gut.
00:27:19: Aber das was in den traditionellen Wirtschaftsmagazinen steht spiegelt nicht die Realität, die ich als Journalistin erlebe wenn ich rausgehe und dauernd Frauen treffe, die innovativ sind erste, zweite Führungsebene auch haben.
00:27:38: Die sich für Geld interessieren, für Finanzen interessieren die beruflich interessiert sind.
00:27:45: Für die ein großes Thema ist wie schaffe ich das meinen Beruf mit den Kindern oder mit dem Familienbedürfnissen zu vereinbaren?
00:27:52: Das war ja... Wie ich jung war, war das ja für mich ein Thema und für ein paar ganz wenige Freundinnen Arbeitsgetrieben, ehrgeizig.
00:28:02: Voller Pläne waren wie ich.
00:28:03: aber die meisten haben schon dann einfach aufgehört zu arbeiten ein paar Jahre und sind halt dann haben da ganz was anderes gemacht oder sind halt wieder in Teilzeit langsam eingestiegen.
00:28:13: Damals hat man ja diese Frauen auch gerne noch Karrierefrauen genannt?
00:28:17: Ja genau!
00:28:18: Ich hasse diesen Ausdruck.
00:28:20: Ich finde Karrierenfrauen einfach... also es ist überhaupt nicht mehr zeitgemäß.
00:28:23: Ich akzeptiere diesen Ausdrück erst wenn es Karrieremänner gibt.
00:28:27: Aber sag mal
00:28:29: Aber weißt du, was mir dazu noch einfällt?
00:28:31: Mein Vater hat zum Beispiel und ich habe diese Gespräche gehasst.
00:28:35: Aber heute bin ich ihm irgendwie dankbar dafür.
00:28:37: Mein Vater von mir hat ab meinem vierzehnten Lebensjahr verlangt, dass ich mir den Kopf darüber zerbreche, was ich einmal machen möchte und wie ich das umsetzen möchte und was ich erreichen möchte.
00:28:48: Ja aber mit
00:28:49: vierzehn weiß man ja sowas nach... Null.
00:28:51: Ja,
00:28:51: es war auch für mich schrecklich weil ich habe mir gesagt jemand da und gedacht was will der von mir?
00:28:56: Ich meine ich gehe in die Schule jetzt muss man schauen dass sich die Schule fertig machen dann kann man immer noch nachdenken.
00:29:01: aber möglicherweise hatte auch das damals schon dieses in Zukunft denken nächste Schritte denken in Möglichkeiten denken das ist vielleicht in Möglichkeiten danken.
00:29:12: wurde mir das vielleicht damals in die Wiege gelegt so unangenehm mir das war und so viel Stresses in mir auch erzeugt hat.
00:29:19: Ich würde noch gerne nochmal kurz zurückkommen auf dieses Gründen.
00:29:22: so Fünfzig Plus, weil es gibt ja auch super spannende Zahlen.
00:29:25: Du hast doch unlängst eine Kolumne drüber geschrieben, dass der Frauenanteil bei Neugründungen ... Entschuldigung ich muss noch mal anfangen.
00:29:34: Frauen entscheiden sich zunehmend später für die Selbstständigkeit.
00:29:37: Der Frauenanteils bei Neurgründung liegt bei über fünfzig Prozent und er steigt mit dem Alter auch deutlich an.
00:29:45: Ich habe da noch zwei Zahlen, und zwar sind es siebenundfünfzig Prozent Frauen bei den vierzig bis fünfzigjährigen Gründen.
00:29:50: Und mehr als dreiundseißig Prozent bei den fünfzig bis sechszig jährigen.
00:29:54: Was meinst du steckt hinter diesem späten Staat?
00:29:56: Und dass diese Zahlen so stark auch anwachsen?
00:29:59: Also es gibt drei... ich habe mich jetzt lustigerweise, weil wir haben am Montag eine Career-Session gehabt beim Economy zum Thema.
00:30:10: Gründen mit fünfzig plus.
00:30:11: Und dadurch habe ich mir jetzt die ganzen aktuellen Zahlen auch noch einmal abberufen und nochmal drüber nachgedacht, Ich glaube es hat drei Gründe.
00:30:19: das eine ist was mich nicht wusste ist dass in Österreich Auch die ganzen Pflegeberufe als Einzelpersonen Unternehmen Registrier sind.
00:30:29: Das erklärt unter anderem auch diese relativ
00:30:34: hohe Zahl der Gründungen, hohe
00:30:35: zahl der gründungen.
00:30:36: da sind eben oft Frauen dabei die Kehrarbeit leisten.
00:30:40: Das nächste ist, wir haben gestern glaube ich die Zahlen rausgekommen.
00:30:44: Die Arbeitslosenzahlen vor allem Frauen sind von der Arbeitslosigkeit betroffen in Österreich und ...
00:30:50: Von Arbeitslosigkeiten ist ja gerade wesentlich höher als meine Arbeitslösigkeit?
00:30:54: Wesentlich
00:30:54: höher genau!
00:30:56: Und ich denke dass dann viele einfach den Weg auch in die Selbstständigkeit gehen wenn sie eine Zeit lang sozusagen gemerkt haben, es geht nichts weiter.
00:31:07: Sie kriegen keinen Job beziehungsweise keine Angebote, die ihren Fähigkeiten oder ihre Ausbildung entsprechen.
00:31:15: und das dritte ist glaube ich schon dass man also so nehme ich es auch medial war von einem anderen Selbstbewusstsein so nämlich nicht nur medial aber auch bei mir war dass man von einen anderen selbstbewusst sein sprechen kann bei Frauen jenseits der forty oder fünfzig als bei jungen frauen und die.
00:31:36: ich glaube dass du dann in dieser zweiten lebenshälfte du weißt einfach genau was du willst, du weisst was du kannst.
00:31:42: Du weißt unter welchen bedingungen du arbeiten möchtest, welches umfeldtum dich herum haben möchtes wie du
00:31:48: arbeiten möchte?
00:31:48: Wie du arbeiten möchtest und all diese dinge.
00:31:51: und du bist irgendwie... du hast auch schon viel Du bist auch nicht mehr so leicht zu erschüttern.
00:31:57: Du hast schon viele erlebt, du hast doch schon viele niederlang erlebt, nicht nur Positives und ... Und du hast irgendwie gelernt dass wenn mal etwas nicht so aufgeht oder nicht so läuft oder gar nicht gut läuft das es auch keine Katastrophe sein muss.
00:32:14: on the long way.
00:32:15: Also im Moment natürlich immer alles furchtbar und schade und traurig aber sozusagen großen Lebensweg gesehen Fällt das dann später in den Bereich meistens Anekdoten, die man so erzählen kann?
00:32:32: Und man hat glaube ich ein anderes Empfinden auch für Chancen.
00:32:39: Man kann die positiver wahrnehmen und... Ich glaube auch dass was sich geändert hat zu früher ist, dass ich schon erlebe eine sehr starke und zunehmende Frauensolidarität.
00:32:55: Und dass Frauen auch zu anderen gehen und sagen, du kannst mir da helfen oder kannst mich unterstützen?
00:33:01: Oder wie war das, wie du das gemacht hast?
00:33:03: Oder weißt du zu welchen Stellen ich da gehen muss wenn ich gründen möchte?
00:33:08: Weißt Du von der ich mich beraten lassen kann?
00:33:11: Kannst du vielleicht mal Darf ich denn meinen Konzept zeigen?
00:33:14: Ja, das hat mir früher alles nicht gemacht.
00:33:16: Und dass einfach da ein viel größerer Austausch ist, weil auch die Gruppe der Frauen, die Interesse am Beruf und Karriere- und Weiterbildung haben, viel größer geworden
00:33:25: sind.
00:33:26: Fällt dir das auf, dass Frauen im Netzwerken besser geworden sind?
00:33:30: Weil es war ja früher oft so ... Die Männer haben sich gegenseitig in Shops nachgeholt und so.
00:33:34: Das haben Frauen jahrelang gar nicht so gut praktiziert.
00:33:37: Genau.
00:33:39: Hast du das Gefühl, das haben wir Frauen besser gelernt?
00:33:43: Absolut.
00:33:43: Und ich sage auch immer, dass das Basisding von richtigen Netzwerken ist, wenn du zu jemanden gehst und sagst, du kannst mir da und da helfen, dass du nicht den Raum verlässt ohne vorherzusagen und was kann ich für dich tun?
00:34:00: Das ist
00:34:02: ein wichtiger Satz!
00:34:04: Wenn man das verinnerlicht hat, dann fällt es einen auch leichter andere zu bitten weil man weiß... Also ich gehe ja da nicht hin, weil nur ich was will.
00:34:13: Sondern ich kann auch was bieten und etwas
00:34:16: einbringen.".
00:34:18: Und es ist sozusagen auch ein Schärfen für die eigenen Fähigkeiten und für ... Ja!
00:34:27: Für die eigenen Stärken.
00:34:29: Und gleichzeitig geht man nicht mit einem schlechten Gewissen raus.
00:34:34: Weil Frauen haben oft, naja, Puh... Jetzt hab' ich vielleicht zu viel verlangt und vielleicht war das jetzt unverschämt.
00:34:41: Und naja, der hat ja selber so viel um die Ohren und jetzt kommen auch noch ich.
00:34:44: Daher ... Puh!
00:34:47: Hatte ich, glaub ich, ein Podcast?
00:34:50: Diese
00:34:50: Suppe-See...
00:34:51: Das wird zumindest abgeschwächt.
00:34:56: Wenn man dann sagt okay was kann ich für dich tun geht mal mit einem besseren Gefühl raus weil dann weiß man okay wenn sie sagt gar nix ist es ja ihre Sache aber man hat's angeboten.
00:35:08: Ich frage am Schluss immer meine Gästinnen, mache ich so ein bisschen einen Reality-Check damit man mit irgendeiner der Handfesten einem Tipp oder eine Idee rausgehen kann und nicht nur Inspiration.
00:35:21: Was hat Michaela Ernst alles Tolles in ihrem Leben erreicht?
00:35:24: Mich würde interessieren wie kann ich feststellen ob ich der Typ Gründerin bin weil das ist muss mir ehrlicherweise sagen nicht jedermannsache.
00:35:34: Gibt es da irgendwelche Dinge?
00:35:35: Ich weiß, dass ihr bei Economy auch Career Sessions anbietet, woüber genau dieses Thema spricht.
00:35:40: Aber da gibt's also ein oder zwei Learnings die du teilen kannst wenn sich jetzt Teilnehmerinnen nicht gleich anmelden können weil ich glaube sie finden ja jetzt auch in der Sekunde wieder statt.
00:35:50: Also ich glaube das Wichtigste ist, dass man ganz ehrlich zu sich sein muss wie viel Struktur man selbstfähig ist in seinem Leben aufzubauen.
00:35:58: Kann man das lernen?
00:36:00: Ja, das kann man lernen indem man sich einfach sozusagen auch einen Plan macht.
00:36:04: Ich meine wenn man ins Büro geht als Angestellte hat man ja auch weiß man am Abend davor was man am nächsten Tag macht?
00:36:10: Im
00:36:11: Idealfall!
00:36:13: Und diesen Idealfallen sollte man auch sozusagen wenn man selbstständig ist umsetzen dass man sich ein bisschen seinen Plan macht.
00:36:20: okay ich habe auch also ich hab jeden Tag so meine Listen die ich dann abhaken weil ich mich sonst verlieren könnte, weil mich dann diese eine Sache vielleicht mehr interessiert und dann ist die andere, die aber dringend gemacht werden soll bleibt liegen.
00:36:37: Und also es ist wichtig dass man fähig ist einer Struktur in seinen Arbeitsalltag reinzubringen.
00:36:45: Aber gibt's noch was anderes?
00:36:46: Es ist wichtig das man lernt Umsatz von Gewinn zu unterscheiden.
00:36:54: Das ist ein wichtiger Punkt.
00:36:55: Ja, das ist ein existenziell wichtiger Punkt.
00:36:59: Und gehen manche Frauen ein bisschen naiv?
00:37:02: Ja, aber man
00:37:02: muss das lernen.
00:37:03: Also ich muss auch sagen wie jung war habe ich da auch teilweise... Einmal musste ich glaube ich eine begonnene Lebensversicherung dann wieder auflassen weil dann ist von der Sozialversicherung die Nachzahlung gekommen mit entsprechenden Steuernachzahlungen und ich hatte mir halt zu wenig zur Seite gelegt.
00:37:21: also musste sozusagen dieses Spargut haben aufgelassen werden.
00:37:24: Gott sei Dank hatte ich es.
00:37:26: Das war Learning by Doing damals.
00:37:28: Und man muss schon, das Beste ist sozusagen wenn man so ein Konto hat wo man dann immer, wenn ein Geld reinkommt bisschen auch was rauf schiebt für die Sozialversicherung und für die Steuer.
00:37:40: Und dass man weiß ums Ad-Steuer muss sozusagen weitergeführt werden.
00:37:44: Man kann sich natürlich über die Vorsteuern etwas abziehen aber das sind einfach so Realitäten die mit denen man sich sehr früh antworten sollte, damit das Vergnügen anhaltend ist.
00:37:57: Das Vergnügen der Selbstständigkeit.
00:37:59: Vielen Dank für diesen Tipp!
00:38:00: Ich hoffe, dass Ihnen da draußen ein paar Frauen sich zu Herzen nehmen.
00:38:04: Michela, das war ein super Gespräch.
00:38:05: ich danke dir fürs Kommen.
00:38:06: Danke dir auch, danke!
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